DOK.archive Award

Gestiftet von British Pathé, dotiert mit Beistellungen im Wert von 15.000 Euro oder 2.500 Euro in bar

Der DOK.archive Award ist ein Förderpreis für Archiv- und Kompilationsfilme in Entwicklung. Hochwertige Archivaufnahmen sind für Dokumentarfilme oft von nahezu unschätzbarem Wert. Die Verwendung von historischen oder kommerziellen Filmausschnitten in größerem Umfang hebt das benötigte Produktionsbudget jedoch wesentlich an. Mit dem DOK.archive Award haben British Pathé und DOK.forum es sich zum Ziel gesetzt, Projekte, die mit lizensiertem Material arbeiten, zu fördern und damit dieses traditionsreiche dokumentarische Genre zu stärken.

Unter allen Einreichungen für den DOK.archive Award werden 5 Projekte nominiert, die bei einem Live-Pitching während des DOK.forum Marktplatz einer fünfköpfigen Jury vorgestellt werden. Das Gewinnerprojekt erhält British Pathé Archivmaterial im Wert von 15.000 Euro, alternativ können 2.500 Euro in bar ausgezahlt werden.

 

Preisträger.innen 2022: I USED TO BE THE MAYOR von Alexander Sussmann (Regie) und Karoline Henkel und Laszlo Josza (Produzenten)

Der DOK.archive Award geht 2022 an Alexander Sussmann und Karoline Henkel für das Konzept für den Umgang mit Archivmaterial in I USED TO BE THE MAYOR.

Gabor Demszky war ein Taxifahrer, der zum Schriftsteller und in den 80er Jahren zu einer führenden Stimme der Opposition im Untergrund gegen das totalitäre Regime in Ungarn wurde. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde er der erste gewählte Bürgermeister von Budapest - und trug im Laufe von 20 Jahren dazu bei, sein Land in eine lebendige liberale Demokratie zu verwandeln. Heute liegt die Macht in den Händen von Victor Orban. Oppositionelle Stimmen werden nicht geduldet. Gabors Triumphe sind längst vergessen. Im Alter von 68 Jahren kämpft er mit der Anonymität außerhalb des politischen Rampenlichts und zieht Bilanz über den Preis, den er für seinen Platz in der ungarischen Geschichte gezahlt hat - persönlich und in Bezug auf seinen guten Ruf. 

Um die Entwicklungen der Vergangenheit zu reflektieren, sammeln wir ein breites Spektrum an Archivmaterial. Die Übergangszeit des Regimewechsels und Gabors Zeit an der Macht ist gut dokumentiert. Aber um einen intimen Blick jenseits der öffentlichen Auftritte zu bekommen und die fehlenden Lücken zu füllen, werden wir sie mit Animationen kombinieren. Die spielerisch gestaltete Animation wird in einem Patchwork-Stil präsentiert. Wir werden verschiedene Elemente von Fotos über Zeitungen bis hin zu bewegten Archivbildern zu einer einheitlichen und unterhaltsamen Form kombinieren. Über die visuelle Ebene hinaus werden wir einen Voice-over-Kommentar hinzufügen, der eine intime und subjektive Perspektive auf die Geschichte Ungarns aus der Sicht des ehemaligen Bürgermeisters von Budapest vermittelt. Diese Elemente sollen die Geschichte auch für ein jüngeres Publikum zugänglich machen und sich von klassischen Archivdokumentationen abheben.

 

Jurybegründung

„Fünf Wahlsiege und fünf Scheidungen – das Projekt I USED TO BE THE MAYOR porträtiert eine vielschichtige Persönlichkeit, deren politisches Leben und persönliche Irrungen und Wirrungen ein Licht werfen auf eine der größten Herausforderungen und Themen unserer Zeit: das Verschwinden demokratischer Werte im Angesicht neuer populistischer Autokratien (…) Die Jury war beeindruckt von dieser Story und der Art und Weise, wie das Team mit einer Verbindung von Archivmaterial und Animationen Geschichte auch für ein jüngeres Publikum erlebbar machen will.“

Die nominierten Projekte 2022

 

Jury 2022

Thomas Beyer, MDR, Redaktion Geschichte und Dokumentationen
Simon Witter, Footage Archive / Licensing, British Pathé Ltd.
Petra Gruber, Leiterin Senderkooperation 3sat und ARTE, ORF / 3sat / ARTE
Dr. Nikolaus Wostry, Filmarchiv Österreich
Käte Schaeffer, Akquise, ARSENAL Filmverleih GmbH

 

Preisstifter: British Pathé

British Pathé gilt als das beste Wochenschau-Archiv der Welt. Es repräsentiert nun auch die Historische Sammlung von Reuters und ist zu einem zentralen Archiv für die Geschichte des 20. Jahrhunderts geworden. Diese Schatzkammer von 220.000 Filmen, die in ihrer historischen und kulturellen Bedeutung unübertroffen ist, wird von Rundfunkanstalten, Produktionsfirmen, Unternehmen, Museen und vielen anderen Institutionen umfassend genutzt.

 

 

Preisträger.innen 2021: LIFE IS NOT A COMPETITION BUT I’M WINNING von Julia Fuhr Mann

Dieser Film will das utopische Potenzial des Leistungssports, insbesondere des Laufsports, erkunden. Er zielt darauf ab, eine Welt zu erschaffen, die weit entfernt ist von strikten Geschlechts- und Gendervorstellungen, denn die Geschlechtertrennung ist im Sport immer noch gesellschaftlich akzeptiert, so starr ist sie in der heutigen Gesellschaft jedoch nirgendwo sonst vorstellbar.
In einer Mischung aus fiktionalen und dokumentarischen Szenen wird der Film eine utopische Welt erschaffen, in der Athlet.innen nicht nach ihrem Geschlecht klassifiziert werden, sondern Raum erhalten, ihre Einzigartigkeit zu zeigen.

Jurybegründung

Unser audiovisuelles Erbe ist unsere konservierte Erinnerung. Wir können in diesem kollektiven Gedächtnis viele schöne wie unangenehme Perspektiven auf uns finden, die nie in der bewussten Intention der Aufnehmenden lagen. Es ist dieser neue Blick auf unsere Vergangenheit, mit dem die Regisseurin und die Produzentinnen ihr Projekt LIFE IS NOT A COMPETITION BUT I’M WINNING in die Gegenwart holen. Indem sie uns spiegeln, welche Macht unser gemeinschaftliches Festhalten an Normen und Narrativen hat, fragen sie uns nach unserer Bereitschaft, uns zu ändern. Das Projekt von Julia Fuhr Mann, Sophie Ahrens und Melissa Byrne behandelt das utopische Potenzial eines Leistungssports jenseits starrer Geschlechtergrenzen und -bilder [...]."

Zur Projektauswahl 2021


Jury 2021

Gunnar Dedio (LOOKSfilm)
Nina Goslar (ZDF/ARTE)
Karin Jurschik (HFF München)
Euridice Zaituna Kala (Euridice Kala)
Julia Teichmann (German Films)
Simon Witter (British Pathé Ltd.)

 

Preisträger.innen 2020: QUEEN OF CHESS von Bernadett Tuza-Ritter, Gabor Harmi und Zsofi Lili Kovacs

Es wird die größtenteils vergessene Geschichte der Ungarin Judith Polgar erzählt, die als junges Mädchen in der Männerdomäne der Schachwettbewerbe berühmt wurde. Historische Aufnahmen, die in das spätkommunistische Ungarn führen, werden mit Home Movies aus dem Privatarchiv der Familie Polgar sowie Fernsehberichten über die Wettbewerbe mit den Schachweltmeistern ihrer Zeit, insbesondere Garri Kasparov, verknüpft. So entsteht ein intimes Porträt einer ungewöhnlichen jungen Frau und gleichzeitig eine Zeitreise in eine historische Umbruchphase.


Jurybegründung

"Die Jury hat vor allem der kluge und virtuose Umgang mit dem vielseitigen Archivmaterial überzeugt. Die historischen und größtenteils unbekannten Filmaufnahmen stellen hier eine tragende Erzählebene dar. Vielversprechend erscheint der Jury außerdem, wie die unterschiedlichen Facetten dieser Wunderkind-Geschichte aufgefächert werden: das Erziehungsexperiment des Vaters, das Geschlechterverhältnis, die eigenwillige Welt des Schachs, die Spannung von Wettkämpfen, die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen – all dies spiegelt sich in dieser aufregenden Frauen-Biographie."

Zur Projektauswahl 2020


Jury 2020

Anke Hahn (Leitung Filmverleih, Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen)
Patrick Hörl (Geschäftsführung, Autentic GmbH)
Monika Preischl (Archive Researcher und Archive Producer)
Simon Witter (Footage Archive / Licensing, British Pathé Ltd.)