Preisträger 2010

Alle Gewinner, alle Jury Begründungen

  • Den Dokumentar:Filmpreis:2010 des Bayerischen Rundfunks und der Telepool GmbH (dotiert mit 10.000 EUR) erhält der Film 

LES ARRIVANTS

von Claudine Bories und Patrice Chagnard 

"Die internationale Jury des DOK.fest München hat im internationalen Wettbewerb viele interessante Filme gesehen. Die Entscheidung für die Vergabe des Dokumentar:Filmpreis:2010 des Bayerischen Rundfunks und der Telepool GmbH ist dennoch eine einstimmige: In einer Pariser Amtsstube werden die ersten Entscheidungen über die Zukunft von ganzen Familien gefällt, die nach Frankreich kommen, um hier Asyl zu beantragen. Mit viel Anteilnahme und Genauigkeit beobachtet der Film das dramatische Geschehen.
Die beiden Filmemacher Claudine Bories und Patrice Chagnard widmen sich in ihrem Film LES ARRIVANTS einem gesellschaftlich wie politisch hochaktuellen Thema, ohne jeglichen moralischen Zeigefinger. Der Film zwingt den Zuschauer zu keiner Position, sondern lässt ihm genügend Raum, um eigene Schlüsse ziehen zu können. Auf höchstem filmischen Niveau, ist dieser Film in jedem Moment authentisch und berührt die  Zuschauer, ohne mit Sentimentalitäten zu arbeiten.
LES ARRIVANTS zeigt Nutzen und Grenzen von Regeln auf und die Schwierigkeiten damit umzugehen - sowohl für die Ankömmlinge als auch für die zuständigen Sozialarbeiter. Zudem reflektiert der Film auf intelligente Weise die Folgen wirtschaftlicher und politischer Veränderungen für den Umgang mitasylsuchenden Menschen."

Die internationale Jury: Peter Liechti, Monika Lobkowicz, Matthias Pfeffer, Heidrun Podszus, Jean-Marie Teno

  • Der Horizonte Preis 2010 des DOK.fest München (dotiert mit 3.000 EUR) geht an

EL AMBULANTE

von Eduardo de la Serna, Adriana Yurcovich und Lucas Marcheggiano

"Ein alter Mann zieht durch argentinische Dörfer, und  dreht Spielfilme mit den jeweiligen Dorfbewohnern. Dabei macht er sich und andere glücklich. 61 Filme hat er schon gemacht, mit minimalsten Mitteln. Mit seinen Filmen hinterlässt er Spuren bei den Menschen, und in der Chronik des Dorfes. Durch die gemeinsame Arbeit wird ein Erlebnis geschaffen, das die Menschen verbindet. Frei nach dem Motto: Von Dir handelt die Geschichte. Dieser Film ist eine charmante Parabel auf die Kunst des Filmemachens und die Wirkung des Geschichtenerzählens. Ein originelles, und gleichzeitig universelles Thema. Die internationale Jury ist begeistert vom Geist des Films und übergibt den Horizonte Preis gestiftet vom DOK.fest München an den Film EL AMBULANTE von EDUARDO DE LA SERNA, LUCAS MARCHEGGIANO und ADRIANA YURCOVICH."

Die internationale Jury: Peter Liechti, Monika Lobkowicz, Matthias Pfeffer, Heidrun Podszus, Jean-Marie Teno

  • Lobende Erwähnung Horizonte Preis für

LA CASA
von Tayo Cortés

"Der Jury ist es ein Bedürfnis, noch einen weiteren Film aus dem Horizonte Wettbewerb besonders hervorzuheben: LA CASA porträtiert eine kolumbianische Familie am Rande des Existenzminimums. Erzählt wird von der Schwierigkeit, mitten in einer aggressiven und von Hoffnungslosigkeit gezeichneten Umgebung ein menschliches Miteinander und einen Rest von Lebensfreude zu verteidigen. In einer einfühlsamen Mischung aus Nähe und Distanz gelingt es dem Filmemacher TAYO CORTES nicht nur, die sozialen und menschlichen Nöte sichtbar zu machen, sondern auch die große Leistung der Protagonisten zu zeigen, den widrigen Umständen zum Trotz den liebevollen Umgang miteinander zu erhalten. Sowohl die Geschichte als auch die Art wie sie erzählt ist, hat uns sehr beeindruckt."

Die internationale Jury: Peter Liechti, Monika Lobkowicz, Matthias Pfeffer, Heidrun Podszus, Jean-Marie Teno

  • Der BLM Filmpreis 2010 der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (dotiert mit 5.000 EUR) geht an

SERGEJ IN DER URNE
von Boris Hars-Tschachotin

"Der Film beginnt, scheinbar vertraut, wie ein gängiges Sub-Genre: die Suche nach entfernten Verwandten. Doch die Recherche bekommt unerwartete Ausmaße: der Urgroßvater war ein in vieler Hinsicht höchst aktiver Intellektueller, der nicht nur zahlreiche Nachfahren zeugte, sondern sich vor allem frühzeitig im Widerstand gegen die Nazis und später gegen die Atombombe engagierte. Auf der Suche nach den auf dem ganzen Kontinent verstreuten Söhnen dieses Urgroßvaters entwickelt Hars-Tschachotin beiläufig nicht weniger als einen Spiegel der europäischen Geschichte. Das tut er mit bemerkenswert originellen, experimentellen und verspielten Mitteln und Methoden. Er befragt Archivmaterial, setzt Fotos und Bewegtbilder in Dialog, zieht dem Re-Enactment den Boden unter den Füßen weg und schreckt auch nicht davor zurück, sich selber ins Bild zu setzen, um den Grad der Reflexion und der Zweifel noch zu erhöhen. Wie ein moderner Roman besteht der Film aus einer Vielzahl erzählerischer Mittel, die dieser unerschrockene Regisseur mit großer Souveränität einsetzt, dabei aber sympathischerweise immer wieder auch die Kontrolle über die Geschichte verliert."

Die deutsche Jury: Ingo Fliess, Amelie von Kienlin, Katrin Rothe, Martin Thau und Gerhard Wissner Ventura

  • Lobende Erwähnung BLM Filmpreis für 

HOFFENHEIM - DAS LEBEN IST KEIN HEIMSPIEL
von Frank Marten Pfeiffer & Rouven Rech

"Ein Film über die Bildung einer Marke, also kein Sport- sondern ein Wirtschaftsfilm. Fußball ist zwar das "Core Business", spielt im Film aber nur eine Nebenrolle, stattdessen beschreibt er Management und Fans, deren Aufgabe es ist, die Glaubwürdigkeit des Vereins zu gewährleisten. Verkörpert vom Fanclub-Vorsitzenden der ersten Stunde - ein sympathischer Badenser mit Dude-Qualitäten - und dem von Mäzen Hopp eingesetzten Geschäftsführer, ein alerter Manager, der auch schon erfolgreich Tigerenten verkauft hat. Diese beiden Protagonisten verfolgt der Film über Regionalliga Süd, 2. und 1. Bundesliga auf Augenhöhe und mit großer filmischer Konsequenz und zahlreichen liebevollen Beobachtungen."

Die deutsche Jury: Ingo Fliess, Amelie von Kienlin, Katrin Rothe, Martin Thau und Gerhard Wissner Ventura

  • Der FFF-Förderpreis Dokumentarfilm 2010 des FilmFernsehFonds Bayern (dotiert mit 5.000 EUR, für Filme von Regisseur/innen, die in Bayern leben) wird geteilt und geht zu gleichen Teilen an

WAS WIRD BLEIBEN
von Knut Karger sowie

ON THE OTHER SIDE OF LIFE
von Stefanie Brockhaus & Andy Wolff

WAS WIRD BLEIBEN:
von Knut Karger

"Knut Karger gelingt ein nachdenklicher essayistischer Konzeptfilm, der trotzdem guten Humor beweist und Fragen stellt, die beim Zuschauer weiterarbeiten. Zu sehen sind die geradezu rührend mühseligen Anstrengungen der Menschheit, sich der eigenen Vergänglichkeit entgegenzustemmen. Ohne bestimmte Erwartungen zu erzeugen oder zu bedienen, konturiert der Film den spekulativen Grund jeder Sachlichkeit. Die naturwissenschaftliche Nüchternheit, mit der hier diese Fragen behandelt werden und die visuelle Klarheit, die uns ein wenig spüren lässt, was einmal nicht mehr sein wird, machen aus diesem eigentlich zum Verzweifeln geeigneten Thema ein "Divertimento über Vanitas"."

ON THE OTHER SIDE OF LIFE:

"Zwei junge Filmemacher, die sich auf offensichtlich extreme Bedingungen eingelassen haben, schildern in großer dokumentarischer Zurückhaltung den Weg von zwei jugendlichen mutmaßlichen Mördern - in einem Township in Südafrika, eine Gegend in schockierendem Zustand, in der Mord scheinbar zum Alltag gehört. Beeindruckend die intime Innenansicht von Menschen und Strukturen, beispielhaft die Schilderung der brutalen Hierarchie im Gefängnis: Alle sind hier Generäle, die Neuankömmlinge sind ein Nichts. Die Filmemacher beweisen Mut zur eigenen Ästhetik und versagen sich Beschönigung und Emotionalisierung."

Die deutsche Jury: Ingo Fliess, Amelie von Kienlin, Katrin Rothe, Martin Thau und Gerhard Wissner Ventura

  • Der mimikri media Förderpreis (Untertitelungssachpreis) geht an

LA ISLA - ARCHIVOS DE UNA TRAGEDIA
von Uli Stelzner

"Die Opfer von Unrecht brauchen Aufmerksamkeit und eine Stimme. Die Verursacher und die Fakten des Unrechts sind zu nennen. Dafür eine Form zu finden, die uns als Zuschauer teilhaben lässt und in die Pflicht nimmt, ist eine große Kunst. Die Jury für den mimikri media Förderpreis hat sich einstimmig für den Film LA ISLA von Uli Stelzner entschieden. Seinem Film gelingt es den Zuschauer über die Ereignisse in Guatemala zu informieren. Aber darüber hinaus werden wir durch den behutsamen Umgang mit den Protagonisten und die virtuose Bearbeitung des Archivmaterials emotional berührt. Uli Stelzer gelingt etwas seltenes, er wandelt den Schmerz und die Trauer in zeitlose Poesie."

  • Die Gewinnerfilme des 60-Sekunden-Dokumentarfilmwettbewers "Ich sehe was, was du nicht siehst" vom Münchner Verein raumwandler in Zusammenarbeit mit DOK.fest München, mit der Unterstützung von CANON (Sachpreise: je ein Camcorder) zum Thema „Realität ist eine Frage der Perspektive“ sind

CAROUSEL TRAVEL von Xiaowen Zhul

Publikumspreise: DER BEAMTE von Stefanie Stahl und TAGHERZ von Michael Schranner

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