DAS BRENNENDE DORF
– Deutschland 2004 - Regie: Ursula Scheid, Philip Vogt - Originalfassung: österreichisch, slowenisch - Untertitel: deutsch
Kärnten - einig Heimatland? Nicht ganz: In einem kleinen Südkärntner Theater studieren ein paar Wagemutige Das brennende Dorf von Lope de Vega in einer Fassung von R. W. Fassbinder ein - auf slowenisch. Und während die Laienschauspieler auf der Bühne den Volksaufstand proben, bereiten sich die Patrioten vom "Kärtner Heimatdienst" auf den 10. Oktober vor. An ihrem nationalen Feiertag, der an den "Abwehrkampf" gegen die Slowenen im Jahr 1920 erinnert, machen die "Deutschkärntner" traditionell gegen die zweisprachigen Ortsschilder im Lande Stimmung. Nach der Verfassung müssten die "Bezeichnungen topographischer Natur" in den Minderheitsgebieten eigentlich schon seit 1955 mehrsprachig sein. Umgesetzt wird die Vorschrift aber immer nur von Fall zu Fall. Als sich Bundeskanzler Bruno Kreisky 1972 mit 17-jähriger Verspätung an die Realisierung des Paragrafen machte, brach der "Ortstafelsturm" los: wütende Kärtner rissen die ungeliebten Schilder in einer Nacht- und Nebelaktion wieder heraus.
Slowenischsprachige Minderheit, Landesfürst Jörg Haider, Kärntner Heimatdienst und mittendrin die katholische Kirche - die trotz der Proteste "heimattreuer" Verbände Gottesdienste auf deutsch und slowenisch abhält: Akteure und Inszenierungen in einem Konflikt um Freiheit, Macht und Identität.
Autor: Ursula Scheid. Kamera: Philip Vogt. Ton: Steffi Gromes, Melanie Liebheit, Knut Karger. Schnitt: Daniela Drescher, Philip Vogt. Produktion: HFF München. Länge: 63 min.


