FINAL SOLUTION
Indien 2003 – Regie: Rakesh Sharma – Originalfassung: Gujarati, Hindi – Untertitel: Englisch – Länge: 218 min.
Studie über die Politik des Hasses zwischen Moslems und Hindus. Am 27. Februar 2002 kamen im westindischen Bundesstaat Gujarat in Godhra nahe der pakistanischen Grenze 59 Hindus bei einem Brandanschlag auf einen Zug um. Sie waren auf der Rückreise von der Grundsteinlegung für einen Hindu-Tempel, zu der tausende Gläubige trotz offiziellem Verbot gepilgert waren. Der Tempel sollte an Stelle der 1992 von Hindus zerstörten Babri-Masjid-Moschee in Ayodhaya errichtet werden, die hier die Geburtsstätte des Gottes Ram vermuten.
In den Tagen nach dem Brandanschlag kam es in Gujarat zu grausamsten Ausschreitungen gegen die muslimische Minderheit. Über 2000 Muslime wurden umgebracht, Hunderte von Frauen vergewaltigt und über 200.000 Familien vertrieben. Die Gewaltaktionen wurden von der Hindu-Rechten als „verständliche Wut“ des Volkes willkommen geheißen. Der Chef der Indischen Volkspartei BJP, Narendra Modi, nutzte den "Erfolg von Gujarat" für seine Wahlkampagne und erzielte im Dezember 2002 die absolute Mehrheit.
Achtzehn Monate, von Februar 2002 bis Juli 2003, hielt sich Rakesh Sharma in Gujarat auf. Aus hundertsechzig Stunden Filmmaterial hat er eine vierteilige Dokumentation erstellt, in der muslimische Frauen, Angehörige der Opfer von Godhra, Hindu- und Moslem-Vetreter zu Wort kommen. Die Vielzahl von Geschichten, Gesichtern und Stimmen ergibt ein komplexes Bild der Situation. Im Detail analysiert der Film die von dumpfem Hass geprägte Kampagne, mit der die Hindu-Gemeinschaft versuchte, die Muslime unter Druck zu setzen und zu isolieren. Final Solution ist die nach Wahrheit suchende Antwort auf den zynischen Gebrauch der muslimischen Opfer.
NETPAC Preis (Network for the Promotion of Asian Cinema), Berlinale 2004
Wolfgang-Staudte-Preis, Berlinale 2004
Silver award in the Best Documentary category at the 28th Hong Kong International Filmfestival 2004 (Humanitarian award for documentaries)
DOK.FEST 2004 Lobende Erwähnung beim Dokumentarfilmpreis des Bayerischen Rundfunks / Fernsehen
Alle Preise und Gewinner seit 1989
Rakesh Sharma, geb. 1964, begann seine Film- und Fernsehkarriere 1986 als Regieassistent für Discovery of India. Beteiligt an der Gründung von drei privaten indischen Fernsehsendern. Auftragsarbeiten als Regisseur und Produzent für verschiedene Fernsehanstalten. Heute unabhängiger Dokumentarfilmer.
Filme 1990 Ringmasters, 1991 Democracy in Crisis?, 2002 Aftershocks - The Rough Guide to Democracy (DOK.Fest 2002), 2003 Final Solution
Kamera: Rakesh Sharma,Tanmay Aggarwal. Ton: Rakesh Sharma. Schnitt: Rakesh Sharma, Jabeen Merchant. Produktion: Rakesh Sharma. Produzent*in: Rakesh Sharma. Verleih: Freunde der deutschen Kinemathek

