DOK.fest Preisverleihung!

Am vorletzten Festivaltag wurden die DOK.fest Preise 2012 in der HFF feierlich verliehen. Die sieben Preisträger sind...

Wettbewerb DOK.international
Der klassische Wettbewerb für international renommierte Produktionen, die weltweit für Aufsehen sorgen. Die Filme in dieser Reihe sind nominiert für den Dokumentar:Filmpreis:2012 des Bayerischen Rundfunks und der Telepool GmbH (dotiert mit 10.000 EUR).

Der Preis geht an:
SIX MILLION AND ONE – David Fisher

Jury-Begründung: So würde man keinen Film über eine der größten Tragödien der Menschheitsgeschichte erwarten. Der Filmemacher nimmt uns mit auf eine Reise, die einen 97 Minuten in Bann hält – lachen und weinen lässt. Auf erzählerisch meisterhafte Art konfrontiert er uns schonungslos, entwaffnend ehrlich, direkt und voller überraschender Wendungen mit den bisher unausgesprochenen Gefühlen um eine dramatische Familiengeschichte und damit letztlich auch  mit Fragen universeller Gültigkeit.

 

zudem Special Mention der Jury:
THIS IS NOT A FILM – Jafar Panahi, Mojtaba Mirtahmasb

Die Jury: Eine lobende Erwähnung geht an einen elegant strukturierten und charmanten Film mit dem Titel THIS IS NOT A FILM, der sich mit Klugheit und Witz über die schwierige Situation der Filmemacher im Iran spielerisch hinwegsetzt. Heraus kommt dabei ein überraschend frisches und unterhaltsames Stück Kino, das sich scheinbar allen Regeln der Filmkunst widersetzt und dabei doch der prekären Situation der iranischen Opposition eine starke und ermutigende Stimme verleiht.

Jury DOK.international und DOK.horizonte:
Elena Subirà I Roca (Produktionsleiterin DocsBarcelona, Vorsitz des Audiovisual Management bei Parallel 40), Jörg Bundschuh (Kick Film GmbH, München), Rada Sesic (Filmemacherin, Beraterin und Lehrbeauftragte, Niederlande), Walter Greifenstein (Redaktion BR, München) und Sissi Korhonen (Intercultural/Audiovisual Communicator, Finnland und Italien).

 

Wettbewerb DOK.deutsch
Der deutschsprachige Wettbewerb für Filme, die sich thematisch und geographisch vorwiegend mit dem deutschsprachigen Raum auseinandersetzen. Die Filme in dieser Reihe sind nominiert für den BLM Filmpreis 2012 der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (dotiert mit 5.000 EUR).
 

Der Preis geht an:
DAS SCHLECHTE FELD – Bernhard Sallmann

Jury-Begründung: Zersiedeltes Niemandsland zwischen aufgegebenem Vierkanthof, ehemaligem Arbeitslager und Autobahn. Eigene und fremde Erinnerungen und Geschichten. Eine Landschaft zwischen Schatten und Licht. Und der Versuch, aus all dem in der komplexen Montage von Bild, Ton und Erzähl-Ebene einen gemeinsamen filmischen Raum zu konstruieren.
Dafür, und für einen beharrlichen Gestaltungswillen, der sich aktuellen Trends widersetzt, geht der Preis im deutschsprachigen Wettbewerb an Bernhard Sallmann für DAS SCHLECHTE FELD.

 

FFF-Förderpreis Dokumentarfilm
Vom FilmFernsehFonds Bayern gestiftet (dotiert mit 5.000 EUR), für Bayerische Nachwuchsregisseure.

Der Preis geht an:
SCHNEE – August Pflugfelder

Jury-Begründung: Von den Berggipfeln einer scheinbar unberührten winterlichen Alpenlandschaft senkt sich der Blick ins Pitztal um Sölden hinab, um dem Skitourismus in all seinen Facetten auf den Grund zu gehen.
Um das Gravitationszentrum Hotelbetrieb herum zeigt der Film den logistischen Apparat von Bergbahnen, Schneekanonen, Rettungsdiensten bis hin zur organisierten Animation, der den Skisport zum Event mutieren lässt. Fast gänzlich ohne Interviewpassagen gelingt dem Regisseur August Pflugfelder, der neben Magdalena Hutter und Kaspar Kaven auch für die präzise Kamera verantwortlich zeichnet, ein erschreckender bis belustigender Blick hinter die Kulissen des Tourismusgewerbes, das die Landschaft zunehmend nach seinen Bedürfnissen umgestaltet.

Jury DOK.deutsch und FFF-Förderpreis: Dr. Andreas Rost (Filmdozent an der Universität München), David Wegmüller (Solothurner Filmtage), Barbara Pichler (Festivalleitung Diagonale, Graz), Silvia Hallensleben (Filmjournalistin, Berlin) und Matthias Helwig (Leiter Fünf-Seen-Filmfestival, Starnberg und Umgebung).

 

Wettbewerb DOK.horizonte
Der Wettbewerb für Filme aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die unter schwierigen politischen oder finanziellen Bedingungen entstanden sind und die sich für die Menschenrechte, für soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung engagieren.
Diese Filme sind nominiert für den Horizonte Preis 2012 des DOK.fest München (dotiert mit 3.000 EUR). Der Preis wird gestiftet von ARTE.

Der Preis geht an:
BACHELOR MOUNTAIN – Yu Guangyi

Jury-Begründung: Der Film BACHELOR MOUNTAIN entführt uns in die karge und entbehrungsreiche Welt einer abgelegenen Region Chinas. Wir werden intime Zeugen einer berührenden Liebesgeschichte, die ganz nebenbei auch die dramatischen Verränderungen des Landes widerspiegelt.

zudem Special Mention der Jury:
EL LUGAR MAS PEQUENO – Tatiana Huezo Sánchez

Die Jury: Mit bestechend starken Bildern nähert sich der Film einem vom Bürgerkrieg verwundeten Ort in San Salvador. Dabei gelingt es dem Filmemacher mit einnehmendem Respekt für seine Protagonisten, alle leidvollen Erfahrungen zur Sprache zu bringen und gleichzeitig einen liebevollen und hoffnungsvollen Blick in die Zukunft zu werfen.

 

Preise im filmschool.forum:
megaherz filmschool award
Dotiert mit 2.500 Euro, gestiftet von megaherz für den besten Studentenfilm. Ausgewählt von einer Studenten-Jury.

Der Preis geht an:
HIMMEL VOLLER GEIGEN - Uisenma Borchu

Jury-Begründung: Der Film zeigt die Begegnung der jungen Regisseurin Uisenma Borchu mit der 89-jährigen Geigerin Irmgard Hietzig. Im intensiven Dialog der Filmemacherin, die auch als Protagonistin in Erscheinung tritt, entsteht ein ungewöhnliches Portrait, das uns sowohl die schönen Seiten als auch die Herausforderungen des Filmemachens zeigt.  Uisenma Borchu nähert sich ihrer Protagonistin mit echter Neugierde und Empathie, aber auch mit dem Druck die Essenz eines Menschen in eine filmische Form zu pressen. Dabei bleibt sie  konsequent und ehrlich zu uns als Zuschauer. So entsteht ein ungeschönter Dialog zwischen den Generationen, der eine große Bandbreite an Gefühlen auslöst. In leisen Momenten und durch eine einfühlsame Kameraarbeit entfaltet sich die besondere Qualität des Films. Insgesamt überzeugte „Himmel voller Geigen“ als sensibler Film über Leben und Sterblichkeit, voller Humor und Melancholie. Wir gratulieren Uisenma Borchu!


ARRI pitch award
Beistellungen in Höhe von 5.000 Euro, gestiftet von ARRI
1. Platz für das beste Nachwuchskonzept:
Maurizius Staerkle-Drux IN KETTEN TANZEN - Die Architektenfamilie Böhm, Züricher Hochschule der Künste, Zürich (ZHdK)

Jury-Begründung: Gottfried Böhm, der einzige deutsche Prizker-Preisträger, ist ein 92-jähriger Kölner Architekt, dessen Bauten längst zu den Inkunabeln der modernen Architektur gehören und dessen Schaffenskraft ungebrochen ist: derzeit arbeitet er an Kohlezeichnungen zu visionären Städten, die nächstes Jahr in einer Ausstellung präsentiert werden sollen. Der Filmemacher Maurizius Staerkle-Drux, ein Verwandter des Architekten, hat ungehinderten Zugang zu Atelier und Familie, zu der neben dem legendären Gottfried auch drei ebenso erfolgreiche Architektensöhne gehören. Der Film begleitet mit der geplanten Ausstellung ein konkretes Projekt, ist darüber hinaus aber auch das Porträt einer kreativen Familie, die ihrerseits eine ganze Reihe von Projekten vorantreibt, darunter so prestigeträchtige wie die neue Zentralmoschee in Köln. Wir erwarten somit einen auf mehreren Ebenen einsichtsreichen Film über einen bedeutenden Künstler, der vom großen Publikum noch entdeckt werden kann.

mimikri Untertitelungspreis, gestiftet von mimikri media
2. Platz für das beste Nachwuchskonzept:
Stefania Bona LA GENTE DEI BAGNI (People of Baths), Schule für Dokumentarfilm, Fernsehen und neue Medien, Bozen (ZeLIG)
Das letzte öffentliche Bad in Turin, Borgata Campidoglio, soll Mitte dieses Jahres geschlossen werden. Der Andrang ist so groß wie nie. Die neue Armut in Italien lässt immer mehr Menschen öffentliche Bäder aufsuchen. Es ist ein Ort, der den Zustand unserer heutigen Gesellschaft widerspiegelt.

Jury-Begründung: Die beiden Studentinnen Stefania Bona  und Francesca Scalisi der Bozener Filmschule Zelig brechen das globale Thema „Neue Armut“ auf den Mikrokosmos einer Turiner Badeanstalt runter. Ein Kaleidoskop an Menschen, mitten unter ihnen der alte Bademeister Luigi, treffen für den intimen und würdevollen Akt der täglichen Reinigung, aufeinander. Stefania Bona und Francesca Scalisi fangen mit einer beobachtenden Kamera auf poetische Weise die Schicksale einzelner Menschen ein. Stefania Bona hat es geschafft, mit ihrem Pitch in unseren Köpfen eindrucksvolle und emotionale Bilder hervorzurufen, die wir gern auf den Leinwänden internationaler Festivals sehen wollen.

Jury ARRI pitch award / mimikri Untertitelungspreis:
Johanna Teichmann (Produzentin Tellux Film), Birgit Leib (Untertitelung und Koordination, mimikri media), Julia Basler (Projektkoordinatorin Dokumentarfilm German Films), Susanne Petz (Produzentin, Die Freibeuterin), Milena Bonse (Redakteurin, ZDF Das kleine Fernsehspiel), Stefan Kloos (Produzent, Kloos & Co), Milka Pavlicevic (Redakteurin, ZDF/arte), Jutta Krug (Redaketurin, WDR), Ingo Fliess (Produzent, if...Productions), Fidelis Mager (Produzent, megaherz), Udo Bremer (Redakteur, ZDF/3sat)