FFF-Förderpreis Dokumentarfilm und megaherz Student Award 2020


Die besten Newcomer-Filme beim DOK.fest München @home: Wir präsentieren Ihnen die Gewinner.innen des FFF-Förderpreises Dokumentarfilm und des megaherz Student Awards 2020.

FFF-Förderpreis Dokumentarfilm

CHADDR UNTER UNS DER FLUSS
Regie: Minsu Park

Jurybegründung: "CHADDR – UNTER UNS DER FLUSS erzählt von einer Familie in der abgeschiedenen Welt des indischen Himalaya. Darin begleitet ein Vater seine drei Töchter seit 18 Jahren auf dem extrem gefährlichen Fußweg entlang des vereisten Flusses Chaddr zur Schule. Minsu Park zeigt unaufdringlich und fast nebenbei das Große im Kleinen: wie Klimawandel und technologischer Fortschritt die entbehrungsreiche Welt der Familie existentiell bedrohen. Kamera, Schnitt und Musik schaffen kongenial einen ruhigen, unwiderstehlichen Sog, der staunen macht und eine tiefe Empathie für die Protagonist.innen entstehen lässt."

Jury: Anke Zindler (PR-Agentin), Holger Recktenwald (Filmverleiher), Bernhard Simek (Koordinator Dokumentarfilm & Osteuropa bei German Films Service + Marketing GmbH)

Gestiftet vom FilmFernsehFonds Bayern, dotiert mit 5.000 EUR, für bayerische Nachwuchsregisseur.innen (reihenübergreifend)

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megaherz Student Award

REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT  
Regie: Yulia Lokshina

Jurybegründung:
"Gleich die erste Einstellung unseres Gewinnerfilms lässt ein mulmiges Gefühl entstehen: Ein paar Schweine, zusammengepfercht auf engstem Raum, versuchen minutenlang, nach einem Ball zu schnappen. Dazu erzählt im Off eine Stimme von einem Arbeiter, der in eine Schlachtanlage gezogen wurde. Was für ein Film kommt da jetzt auf uns zu? Geht es um Gastarbeit in Deutschland? Um Arbeit an sich? Um Verantwortung und Hinsehen in einer Wohlstandsgesellschaft? Irgendwann lässt man es als Zuschauer einfach geschehen: 90 Minuten lang darf man jetzt in diese Welt eintauchen, um immer wieder neue Details zu entdecken, sich Fragen zu stellen, schockiert zu sein, sich zu reiben, zu freuen und zu weinen.

Mutig und ohne Rücksicht auf klassische narrative Erzählbögen entfaltet der Film dabei einen ganzen Kosmos, einen, der wehtut, gesellschaftsrelevant ist und noch dazu direkt‚ vor unserer Haustüre stattfindet: in München, Wien, Dortmund, Berlin oder Bietigheim-Bissingen, ganz egal. Das geht uns alle was an. Kluge Parallelen und Assoziationen halten die Spannung dabei aufrecht, ohne jemals die emotionale Anknüpfung an die Protagonisten zu verlieren. Zum Beispiel, wenn der Pfarrer in der Kirche plötzlich eine Brandrede gegen Kapitalismus hält und die Kamera die Trailerparks der Gastarbeiter im Dämmerlicht ausschwenkt.

Der Film macht genau das, was Kino leisten muss: Er lässt Bilder im Kopf entstehen und nicht nur auf der Leinwand. Die Montage, der Blick der Kamera, die Musikgestaltung wirken dabei immer frei, spielerisch und überraschend. Es geht mit allen Mitteln immer gerade dorthin, wo der neugierige Prozess des Entdeckens eben hinführt. Der Film atmet. Und lebt. Und schwingt noch Tage später beim Spaziergang durch die Stadt mit. Er ist mutig und besonders. Man muss ihn einfach sehen. Deshalb gewinnt der Film REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT von Yulia Lokshina den Student Award 2020."

Eine Jury aus Studierenden vergibt den Preis an einen Film der Reihe "Student Award". Dotiert mit 3.000 Euro, gestiftet von der Filmproduktionsgesellschaft megaherz.

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