DOK.forum Preisverleihung

DOK.digital – The Future of Storytelling, Pitch Award des Hauses des Dokumentarfilms, Deutscher Kompositions-Förderpreis, British Pathé Archive Award

 

Wir freuen uns, Ihnen die Gewinner.innen der Preisverleihung von DOK.forum Marktplatz und Perspektiven vorzustellen!


Hier können Sie die digitale Preisverleihung am 14. Mai 2020 sehen.

 

DOK.digital – Preis für neue Erzählformate

Vinzenz Aubry, Sebastian Strobel, Ralph Tharayil und Fabian Burghardt (Sansho Studio): SOCIAL SCORE


Erstmals wird der Preis „DOK.digital – The Future of Storytelling“ verliehen. Dieser zeichnet innovative Formate aus, die zeigen, wie Fakten und Geschichten in Zukunft erzählt werden können – digital, interaktiv und crossmedial. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis richtet sich an Journalist.innen, Dokumentarfilmemacher.innen und andere Erzähler.innen und wird von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) gestiftet. Die ersten Gewinner sind Vinzenz Aubry, Sebastian Strobel, Ralph Tharayil und Fabian Burghardt von Sansho Studio mit dem Audioprojekt SOCIAL SCORE.

Das interaktive, standortbasierte Hörerlebnis handelt von der potentiellen Einführung eines Social Scoring Systems in Deutschland, also eines Online-Bewertungs-Systems, mit dem wünschenswertes Verhalten belohnt und totale Kontrolle geschaffen werden kann. Die Hörer.innen von SOCIAL SCORE erleben bei einem freien Spaziergang mit der fiktiven Künstlichen Intelligenz „AVA“ die Vor- und Nachteile eines solchen Systems und werden angeregt, ihr eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren. Das vom MIZ Babelsberg geförderte Hörspiel entsteht live und individuell, indem GPS-Positionsdaten analysiert und mit einer Datenbank von Orts- und Objektdaten abgeglichen werden. 

Aus der Jurybegründung: „Das Projekt wagt nicht nur einen komplett neuen Ansatz durch die Kombination von KI-Technologie und Hörerlebnis, es schärft auch unsere Wahrnehmung und inspiriert unser individuelles Kopfkino, indem es die eigene Realität in den Kontext der möglichen Zukunfts-Dystopie einer Überwachungsgesellschaft stellt. Mit ihrem Projekt SOCIAL SCORE schaffen es Vinzenz Aubry, Sebastian Strobel, Ralph Tharayil und Fabian Burghardt, ein relevantes Thema als innovatives und interaktives Hörerlebnis zu verpacken, das uns unsere eigene vertraute Umgebung als dynamischen Erzählraum neu wahrnehmen lässt. Ohne großen Aufwand kann mit Mobiltelefon und Browser direkt vor der eigenen Haustür gestartet und die eigentlich vertraute Umgebung neu entdeckt werden.“ 

Dieses und vier weitere vorausgewählte Projekte wurden am 8. Mai in einer Online-Live-Veranstaltung vorgestellt. Anschließend wählte die Jury SOCIAL SCORE einstimmig zum Sieger. Die Jury bildeten Joël Jent (Produzent Dschoint Ventschr / Aaron Film), Matthias Leitner (Digital Storyteller, Strategiedesigner) und Jutta Schirmacher (Referentin bei der BLM).

 

Pitch Award des Hauses des Dokumentarfilms 

Jasmine AlakariAFTER THE GODS



Der Pitchwettbewerb bietet den Studierenden unserer Partnerhochschulen die Gelegenheit, ihre aktuellen Projekte im Austausch mit Redakteur.innen, Produzent.innen und Verleiher.innen weiterzuentwickeln und neue Finanzierungspartner zu gewinnen. Der Preis für den überzeugendsten Pitch ist mit 2.500 Euro Rechercheförderung dotiert. Er wird gestiftet vom Haus des Dokumentarfilms. Diesjährige Gewinnerin ist Jasmine Alakari mit ihrem Projekt AFTER THE GODS. Darin ist Exarcheia, das anarchistische Viertel von Athen, zugleich Kulisse und Protagonist.

Aus der Jurybegründung: "Ein melancholischer, wohl mitunter verzweifelter Abgesang auf falsche Glücksversprechen und die tiefe Sehnsucht junger Leute, die ihre eigene Ausweglosigkeit und Ohnmacht nicht hinnehmen wollen. AFTER THE GODS verspricht wildes Engagement und einen zärtlichen Blick auf das Chaos. Ein Essay zwischen gesellschaftlichen und ästhetischen Fronten, voller Poesie und dabei politisch hellwach! Angetrieben von all den Widersprüchen vor und hinter der Kamera erzählt Jasmin Alakari eine universelle Geschichte mit einer leicht schmerzenden Prise Humor."

Die Jury bildeten Anne-Kathrin Brinkmann (ZDF/ARTE), Petra Felber (BR), Timo Großpietsch (NDR), Jutta Krug (WDR), Sonia Otto (INDI Film), Marcus Vetter (SWR), Peter Schernhuber (Diagonale/AT), Siegfried Steinlechner (ORF/AT), Ralph Wieser (Mischief Films/AT), Aline Schmid (Beauvoir Films/CH), Esther van Messel (First Hand Films/CH) und Sven Wälti (SRG SSR/CH).

 

Deutscher Kompositions-Förderpreis

Anna-Marlene Bicking, Sarah Noa Bozenhardt, Sonja Kilbertus: AWALATJE – DIE HEBAMMEN



Um die künstlerische Zusammenarbeit von Filmemacher.innen und Komponist.innen zu stärken, wird das beste musikalische Konzept für einen Dokumentarfilm mit 2.500 Euro ausgestattet. Gestiftet wird der Preis von SONOTON Music, dem weltweit größten unabhängigen Anbieter professioneller Produktionsmusik. Dieses Jahr werden Komponistin Anna-Marlene Bicking, Regisseurin Sarah Noa Bozenhardt und Produzentin Sonja Kilbertus für ihr Projekt AWALATJE – DIE HEBAMMEN ausgezeichnet. 

Aus der Jurybegründung: "Zwischen Regisseurin Sarah Noa Bozenhardt und Komponistin Anna-Marlene Bicking nehmen wir eine intensive und gewachsene Zusammenarbeit wahr, die ästhetische und produktionstechnische Abläufe eng ineinander führt. Das junge Team nähert sich mit dem Filmprojekt AWALATJE – DIE HEBAMMEN drei Frauen in Äthiopien, die sich im Spannungsfeld zwischen traditioneller und moderner Geburtshilfe bewegen. In diesem Mikrokosmos wird die Musik zum tragenden Strukturelement durch die raffinierte Überführung von gegenwärtigen elektronischen Sounds, Naturgeräuschen und auf traditionellen Instrumenten  – wie etwa der Kalimba – erzeugten Klängen. Regiekonzept, Erzähldramaturgie und Komposition sind unmittelbar verzahnt, akribische Klangrecherche seitens der Komponistin trifft auf zielführende Kraft und Enthusiasmus, die nicht zuletzt motiviert sind durch ein autobiographisches Moment der Regisseurin, die ab ihrem 12. Lebensjahr in Äthiopien aufgewachsen ist."

Die Jury bildeten Jana Irmert (Komponistin, Sounddesignerin), Dr. Meret Forster (BR-KLASSIK-Redaktionsleiterin und künstlerische Leiterin ARD-Musikwettbewerb), Brigitte Hofer (Produzentin, Geschäftsführerin maximage), Alexander Kukelka (Komponist) und Prof. Dr. Klaus Schaefer (Rechtsanwalt, ehemaliger Geschäftsführer des FFF Bayern).

 

British Pathé Archive Award

Bernadett Tuza-Ritter, Gabor Harmi, Lili Kovacs: QUEEN OF CHESS



Der Förderpreis würdigt Projekte mit einem großen Anteil an Archivmaterial und stärkt damit ein traditionsreiches dokumentarisches Genre. Das Gewinnerprojekt erhält British Pathé Archivmaterial im Wert von 14.000 Euro oder alternativ 2.500 Euro in bar. Ausgezeichnet wird QUEEN OF CHESS, ein Projekt von Regisseurin Bernadett Tuza-Ritter, Autor Gabor Harmi und Produzentin Lili Kovacs. 

Es erzählt die größtenteils vergessene Geschichte der Ungarin Judith Polgar, die als junges Mädchen in der Männerdomäne der Schachwettbewerbe berühmt wurde. Historische Aufnahmen, die in das spätkommunistische Ungarn führen, werden mit Home Movies aus dem Privatarchiv der Familie Polgar sowie Fernsehberichten über die Wettbewerbe mit den Schachweltmeistern ihrer Zeit, insbesondere Garri Kasparov, verknüpft. So entsteht ein intimes Porträt einer ungewöhnlichen jungen Frau und gleichzeitig eine Zeitreise in eine historische Umbruchphase.

Aus der Jurybegründung: "Die Jury hat vor allem der kluge und virtuose Umgang mit dem vielseitigen Archivmaterial überzeugt. Die historischen und größtenteils unbekannten Filmaufnahmen stellen hier eine tragende Erzählebene dar. Vielversprechend erscheint der Jury außerdem, wie die unterschiedlichen Facetten dieser Wunderkind-Geschichte aufgefächert werden: das Erziehungsexperiment des Vaters, das Geschlechterverhältnis, die eigenwillige Welt des Schachs, die Spannung von Wettkämpfen, die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen – all dies spiegelt sich in dieser aufregenden Frauen-Biographie."

Die Jury bildeten Anke Hahn (Leitung Filmverleih, Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen), Patrick Hörl (Geschäftsführung, Autentic GmbH), Monika Preischl (Archive Researcher und Archive Producer) und Simon Witter (Footage Archive / Licensing, British Pathé Ltd.).

 

DAE Mentoring Pitch Award

Esther Niemeier, Dirk Decker: AMALIE’S SCHATTEN


Der neue Preis bietet kostenlose DAE-Mitgliedschaften für Regisseur.in und Produzent.in eines Projekts im Wert von 200 € für ein Jahr sowie vier maßgeschneiderte Mentoring-Sitzungen mit DAE-Mitgliedern. Ziel ist die Förderung der Talententwicklung.

Amalie, die Uroma von Regisseurin Esther Niemeier, wurde 1941 von den Nazis in einer psychiatrischen Klinik getötet. Ob sie psychisch krank war, ist nicht sicher. Ihr Ex-Mann ließ sie einweisen, nachdem sie sich von ihm getrennt hatte. Eine Frau mit eigenem Willen musste schließlich verrückt sein. Esther begibt sich auf eine filmische Spurensuche.

 

Sunny Side of the Doc Connected Award

Juri Mazumdar, Aki Jelic: BEING GADDAFI

Der Sunny Side of the Doc Connected Award umfasst zwei kostenlose Akkreditierungen für das Kreativteam hinter einem Projekt mit internationaler Relevanz, das auf dem DOK.fest München 2020 präsentiert wird. Die Connected Edition des internationalen Marktplatzes für dokumentarische und erzählerische Erfahrungen wird vom 22. bis 25. Juni 2020 online stattfinden.

Afaf El-Gaddafi, Nichte des libyschen Gewaltherrschers, lebt zehn Jahre nach den traumatischen Ereignissen um die libysche Revolution als Migrantin in Deutschland. In Lybien brach 2011 ihre Welt zusammen: Die Bombe, die für ihren Onkel Muammar gedacht war, tötete stattdessen die beiden kleinen Töchter von Afaf. Zwischen ihrem alten Leben und dem Neuen, zwischen Gucci, Prada, Arbeitsamt und Krankenhaus wird die Familie von ihrer dunklen Vergangenheit heimgesucht. .

 

Stefan Palitov, Martin Schwimmer, Dominik Utz: HOMO EX MACHINA

Außerdem erhält das Projekt HOMO EX MACHINA zwei Frei-Akkreditierungen für die Connected Edition im Juni in La Rochelle.

Bert, ein Zimmermann, dem ein Arm fehlt, befindet sich auf der Reise zu einer gefährlichen experimentellen Operation, die ihn zu einem der wenigen Menschen auf der Welt machen wird, die dauerhaft mit seiner Armprothese verschmolzen sind. Er und seine Teamkollegin Claudia bereiten sich auf das Finale der Cyborg-Olympiade – den Cybathlon – vor und entdecken die Folgen der Vereinigung von Mensch und Maschine.

 

RIDM Award

Mo Harawe, Alexander von Piechowski: THE VILLAGE NEXT TO PARADISE

Das Montréal International Documentary Festival RIDM (14. bis 18. November 2020) und seine Branchenveranstaltung, das RIDM-Forum, bieten zwei volle Akkreditierungen für die Branchenevents und das Festival. Zudem erhält der Regisseur einen reservierten Platz im Talent Lab des RIDM-Forums und der Produzent hat die Gelegenheit, sein Projekt mehr als 80 Entscheidungsträger.innen in Einzelgesprächen vorzustellen.

THE VILLAGE NEXT TO PARADISE folgt einer somalischen Familie und ihren alltäglichen Herausforderungen in einem glühend heissen und windigen Sommer. All das ist untrennbar von der sozio-politischen Lage eines Landes, das mit Bürgerkriegen, Naturkatastrophen und einem post-kolonialistischen Erbe lebt. Ein Versuch in diesem Geflecht Orientierung zu finden, mittels eines Films der unter dokumentarischen Bedingungen vor Ort in Somalia gedreht wird.