DOK.fest Filmpat.innen

Auf dem DOK.fest München 2019 laufen 159 Filme aus 51 Ländern an 20 Spielorten. Da kann der Überblick leicht verloren gehen. Um euch auf dem laufenden zu halten, präsentieren dieses Jahr erstmals Münchner Persönlichkeiten ihre Lieblings-Dokumentarfilme.

 

ESTA TODO BIEN ist der Tipp des Tages von Prof. Harald Lesch und seiner Frau Dr. Cecilia Scorca: 

Dr. Cecilila Scorza:
Diesen Film sollte man nicht verpassen, wenn man die Wahrheit hinter der humanitären Krise
in Venezuela verstehen und nachempfinden will. Er weckt die solidarische Gefühle, die Millionen
Venezolaner so dringend benötigen. Venezuela muss befreit werden, es  kann sich nicht allein befreien.

Prof. Harald Lesch:
Schauen Sie diese Bilder an, in einem der faszinierendsten Länder der Welt von Natur reich und bunt und vielfältig, haben es kriminelle Politiker an die Spitze gebracht. Sie nehmen Land und Leute aus, es ist eine Katastrophe. Sie brauchen unsere Hilfe.

 

 

EISENBERGER ist der DOK.fest Tipp des Tages von Bildhauerin Magdalena Jetolova: “Wer würde sich nicht gerne einladen lassen zu einer überraschenden Reise durch eine eigenwillge kreative Welt. 
An jeder öden Ecke entdeckt Christian Eisenberger neue Verführungen des Paradieses.”

 

Manu da Coll, Schlagzeuger der Band LaBrassBanda, empfiehlt KAPELA: "Eine an Unmittelbarkeit und Klarheit kaum besser zu treffende Beschreibung dessen, was das Leben als reisenden Musiker ausmacht. Mitreißend unromantisch."

 

 

VERTEIDIGER DES GLAUBENS ist der DOK.fest Tipp des Tages von Pfarrer Rainer-Maria Schiessler: „In der Fülle der Bilder und Filme über die Kirche, Papst Benedikt und dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche ragt dieser Film deutlich als positiver Beitrag heraus. Er ist handwerklich hervorragend gemacht und mit beeindruckenden, ehrlichen Bildern und hervorragenden Stellungnahmen komponiert. Sowohl kritische als auch verteidigende Stimmen kommen gleichermaßen gewählt und überlegt zu Wort. Dabei ist die Kritik an der Person Joseph Ratzingers genau so wenig verletzend wie auch die Zustimmung und die Erklärungen seiner Wegbegleiter und Freunde niemals frenetisch unterstützend wirken wollen. Es ist eine saubere, anständige und übersichtliche Herangehensweise von Anfang bis zum Ende des Films beobachtbar, die zu keinem Zeitpunkt darauf abzielt, vorgefertigte Meinungen über diesen großen Mann der Kirche durchgewinkt zu bekommen frei nach dem Motto: Das haben wir ja schon immer gesagt. „Ist er der richtige Mann für dieses Amt“? wird die ehemalige Nonne Doris Wagner - von einem Priester vergewaltigt! - gefragt und sie antwortet: „Nein. Aber es ist das richtige Amt für diesen Mann!“ Was für eine großartige Zusammenfassung eines Lebens in der Kirche! Am Ende wird der Zuschauer zusammen mit den Kommentatoren erkennen müssen, dass die Sehnsucht des J. Ratzinger nach einer reinen Kirche ihm eben nicht erfüllt wurde. Die eindrucksvollen Bilder von seinem Rücktritt als Papst Benedikt beschreiben diese Tatsache und man spürt gemeinsam diese seine ganz persönliche Enttäuschung angesichts von Unehrlichkeit, Verrat, Seilschaftenpraxis im Vatikan und dem weltweiten Missbrauchsskandal. Gerade in diesen Zeiten heftiger Diskussionen über diesen Mann der Kirche, sein Pontifikat und die möglichen Auswirkungen auf die Zukunft der katholischen Kirche trägt  dieser eindrucksvolle Film auf ganz besondere Weise zu einem ausgewogenen Verständnis bei. Den Filmschaffenden kann ich als „Mann der Front“ in der Kirche nur ein großes Kompliment und ein sehr wertschätzendes Danke dafür ausdrücken!

 

 

 

 

MISSION LIFELINE ist der Tip des Tages von einem der hautnah dabei war! Claus-Peter Reisch ist Kapitän der Lifeline, die im Juni 2018 mit 230 aus Seenot geretteten Flüchtlingen tagelang auf tagelang auf dem Mittelmeer ausharren musste, weil Italien das Anlegen des Schiffes verweigerte. Am 28. Juni 2018 wurde Reisch nach der Ankunft in einem maltesischen Hafen verhaftet und das Schiff festgesetzt! „Ich empfehle allen Kritikern der Seenotrettung einmal mitzufahren. Mit „Die Mission der Lifeline“ gibt es jetzt endlich den ersten Film über Deutschlands bekanntestes Rettungsschiff. Ich freue mich auf die Premiere von „Die Mission der Lifeline“! Selbstverständlich bin ich am 12.5. um 18:30 Uhr im Deutschen Theater in München dabei!“

 

"HEAVY METAL CONQUERS ALL!” Die Emil Bulls empfehlen ROCKABUL: „District Unknown“ war die erste und einzige Heavy-Metal-Band in Afghanistan, ihre Mitglieder – junge Protagonisten eines Aufbruchs, die Musik – ein Befreiungsschlag. „The Rise and Fall of …“ einmal ganz anders. 

 

Am Samstag, den 11.05. feiert LIONHEARTED über Ali Cukurs Boxverein beim TSV 1860 München Weltpremiere! Ein Shoutout gibt´s von seinem Boxkollegen Tim Yilmaz von Mariposa B.C. "Ein bewegender und herzerwärmender Dokumentarfilm über Ali Cukur und seine Löwenfamilie. Entweder Treffen und nicht getroffen werden, oder Treffer kassieren, reflektieren, weitermachen. Alis Löwen gewinnen nicht einfach, sie „rasieren“ den Gegner!“

Foto: © Mary Goldau

HOME GAMES ist unser DOK.fest Tipp des Tages, empfohlen von Chiara Pucci! Chiara ist 17 Jahre alt und spielt in der U17 des FC Bayern und der U17 der italienischen Nationalmannschaft: „Der Film gefällt mir sehr, weil es auch um ein Mädchen geht, das leistungsorientiert Fußball spielt. Ich kann mich bis zu einem gewissen Grad mit Alina identifizieren, weil ich auch, wenn die Eltern in der Arbeit sind und mal keine Zeit haben, auf meine Geschwister aufpasse und ihnen was zu essen mache... Aber das Schicksal von Alina ist natürlich unfassbar viel schlimmer als bei den meisten. Bei mir sind es ja nur banale Themen wie Schule, Führerschein oder Freunde, die ich unter einen Hut kriegen muss...das hat mir dieser Film wirklich klar gemacht.” 

 

Michael Wiethaus, alias Der Mixen, ist in der Stadt bekannt wie ein bunter Hund. Man findet ihn in seinem Grafikstudio oder im Skateshop. War irgendwie klar, dass LOS REYES ganz nach seinem Geschmack ist: "Ein sehr interessanter Dokumentarfilm über Los Reyes, den ältesten Skatepark von Santiago de Chile. Ein Porträt über die Jugend von Santiago aus der Sicht der zwei Hunde Chola und Football, die im Skatepark liegen.“ 

Foto: © Conny Mirbach

 

Katharina Schulze empfiehlt DIE ROTE LINIE - WIDERSTAND IM HAMBACHER FORST!
„Ein beeindruckender Film über das Leben am Rande des Kohletagebaus, den Widerstand vor Ort – vom Baumhausbewohner bis zur jungen Familie, die der dreckigen Braunkohle nicht weichen möchte. Die Kohlekommission der Bundesregierung hat nach einem Jahrzehnt klimapolitischen Stillstands vorgeschlagen, bis 2038 aus der Kohle auszusteigen. Spoiler: Am Ende des Films wird deutlich, dass das nicht ausreicht, um unsere Klimaziele zu erreichen.“

Foto: ©Dennis Williamson.

 

Keno von MOOP MAMA empfiehlt EASY LESSONS 
"Selten einen so ruhig und einfühlsam beobachtenden Dokumentarfilm gesehen. Man bekommt einen berührenden Einblick in die existentiellen Konflikte der Protagonistin, die mich mit ihrem Mut und ihrer Ehrlichkeit sehr beeindruckt hat."

 

 
Roger Rekless empfiehlt ANOTHER REALITY
"Mich hat der Film an manchen Stellen sehr stark an alte Freunde von mir erinnert. Trotz der latenten Rumreiterei auf Männlichkeit, Härte und Straße wird in ganz vielen Momenten deutlich, wie sehr dieses „Gangsterleben“ den Protagonisten oft mehr abverlangt, als es ihnen zurückgibt. Der Film romantisiert das Gangstersein nicht wirklich. Er zeigt aber endlich mehrere und vor allem unterschiedliche Dimensionen dieser „Straßenjungs“. Vom Kioskbesitzer zum Leihwagenunternehmer, zum Rapper bis hin zu parallelen Geschäften in der Kriminalität. Der Film wirkt anders als so manche Dokumentation, die von einem Redakteur erdacht wurde, die nichts mit der Lebenswelt der Protagonisten zu tun hat."
 
 
 
Hans Pleschinski schickt uns seinen Filmtipp mit einem Spiegel-Selfie aus der Transsibirischen Eisenbahn: THIRD CLASS TRAVEL
"Russlands Weite, das Leben, Menschen und sich selbst neu kennenlernen. In der Transsibirischen Eisenbahn geht das. Der Film nimmt uns mit auf die einzigartige Strecke." 
 
 
 
Michaela May empfiehlt BRUCE LEE & THE OUTLAW von Joost Vandebrug
„Der 11 jährige Nicu lebt als Strassenkind in den Tunneln von Bukarest. „Bruce Lee“´ist sein vermeintlicher Halt, gibt ihm Nahrung, Wärme und sowas wie eine Familie, trotz Drogen, Wahn und Kriminalität. Er bekommt die Chance dieses Leben zu ändern durch die Hilfe von Raluca - ein Strohhalm.
Die allgegenwärtige Sehnsucht eines Kindes nach Geborgenheit in einer Familie steht im Zentrum dieser Erzählung, einer Langzeitbeobachtung über 6 Jahre. Ein aufrüttelnder, berührender Film.“