GANGSTER GIRLS

Österreich 2008 – Regie: Tina Leisch – Originalfassung: deutsch – Untertitel: englisch

"Jason aus Jolkos wird für schuldig befunden der Herzenssprengung. Der Lebenslüge. Des Hochzeitsverrats. Der Kinderhirnwäsche. Des Würdeausverkaufs. Des skrupellosen Zukunftsdiebstahls […]". So lauten die Anklagepunkte. Die Schauspielerinnen des Theaterprojekts "Medea bloß zum Trotz" haben andere Delikte begangen: Raub, Drogenschmuggel oder Betrug brachten sie in Österreichs einzige reine Frauenjustizvollzugsanstalt Schwarzau.
Was macht das Gefängnis aus und mit ihnen? Die Antworten sind vielschichtig: Interview-Tableaus wechseln sich ab mit gespielten Szenen. In Improvisationen zeigen die "Gangster Girls", wie sie sich selbst und den "Häfen" (Knast) sehen - als Aufseherin und Mitgefangene, in Konflikten und Beziehungen. Hinter der Bühne erzählen sie von ihren Verbrechen, ihrem Umgang mit den Konsequenzen, ihren Träumen und Sehnsüchten - offen, ehrlich, oft lakonisch. Der Film richtet den Blick nicht auf die tägliche Entmündigung der Gefangenen. Er überlässt den Frauen das Wort, ohne Beeinflussung, ohne Wertung - und zeigt, wieviel Kreativität, Gefühl und Witz ein so kleiner Freiraum wie ein Theaterworkshop ans Tageslicht bringen kann.

"Tina Leischs Dokumentarfilm Gangster Girls ist auf den ersten Blick ein Film über Menschen, die festsitzen in starren Einstellungen. In ihren eigenen Lebenseinstellungen, in den Vorurteilen der anderen, in den Kameraeinstellungen aus den Zellen und Arbeitsplätzen des Gefängnisses. Doch während des Redens und noch mehr, während die Gangster Girls große Rollen spielen, kommt einiges in Bewegung: die Bilder von sich und den anderen, die Liebes- und  Eifersuchtsgeschichten, das einfache Gut und Böse. Die kleinen Geschichten, die hier erzählt werden, sind große Dramen, wie man sie im österreichischen Film dieser Tage nicht so schnell findet." Claus Philipp, Stadtkino Wien

www.gangstergirls.at

Englischer/Originaltitel: Gangster Girls. Autor: Tina Leisch & Ursula Wolschlager. Kamera: Gerald Kerkletz. Ton: Klaus Kellermann. Schnitt: Karina Ressler. Musik: Eva Jantschitsch. Produktion: Witcraft Szenario OG. Produzent: Ursula Wolschlager. Länge: 79 min. Vertrieb: Witcraft Szenario OG.

Regie TINA LEISCH, geb. in München. Die Regisseurin, politische Aktivistin und Autorin experimentiert mit Text, Film und Theater in gesellschaftlichen Konfliktzonen. Für ihre Inszenierung von George Taboris "Mein Kampf" mit Bewohnern des Männerwohnheims Meldemannstraße erhielt sie 2003 den Nestroypreis. Die Mitbegründerin von kinoki, Volxtheater Favoriten und Verein Persman lebt in Wien. Gangster Girls ist ihr erster langer Dokumentarfilm.

Filme 1999 Vergiss Europa. Ein Weiß-Schwarzfilm, 2003 riefenstahlremix, 2008 Gangster Girls

Theaterarbeiten (Auswahl) 1994 Brechts Dreigroschenoper (Volxtheater Favoriten), 2002 Mein Kampf (zus. mit Hubsi Kramar), 2003 Elf Seelen für einen Ochsen, 2004 Irrgelichter im Spiegelgrund. Eine Desinfektion (mit PatientInnen des Otto-Wagner-Spitals Wien ), 2006 Date your Destiny (in der Justizanstalt für männliche Jugendliche Gerasdorf; Text zus. mit Alma Hadzibeganovic), 2007 Medea bloß zum Trotz (Theaterprojekt mit Gefangenen der Justizanstalten Gerasdorf und Schwarzau)