Lust auf Wirklichkeit – Hommage an Peter Heller

28. Mai bis 2. Juni 2019

Es ist ein großes Talent, die Wunde zu sehen, bevor sie für alle sichtbar ist. Die Wunde, in die man seinen Finger legen muss. Der Münchner Filmemacher Peter Heller hat dieses Talent. Er macht „unbequeme Filme“, die oft ihrer Zeit voraus sind, die bei ihrem Erscheinen, ihrer Ausstrahlung provozieren, verstören. Und dann, vielleicht fünf Jahre später, gibt es einen Diskurs und die Filme sind plötzlich hochaktuell. Er ist ein Kämpfer und ein Forscher mit unbedingtem Erkenntnisdrang, ein „Sammler, Beobachter, Aufzeichner und Chronist – ohne oberlehrerhafte Lösungsvermittlung, ohne Therapien oder Rezepte“, so Heller über sich.

Nach seinem Abschluss an der Hochschule für Fernsehen und Film in München hat er in Lateinamerika und Asien gearbeitet, dann vor allem in Afrika gedreht – und vor der eigenen Haustüre. „Wir sollten über die Slums von Lagos sprechen, aber jene von Köln dabei nicht vergessen. Wir müssen über uns selbst reden mit Lust auf die Entdeckung der Wirklichkeit“, beschreibt Heller sein dokumentaristisches Selbstverständnis.

Als leidenschaftlicher Chronist dieser Wirklichkeit liebt er die Kür dokumentarischen Erzählens: Langzeitbeobachtungen. Globale Zusammenhänge spiegelt er im radikal Persönlichen, Heller ist nah an den Menschen, seine Neugier und Zugewandtheit sind stets zu spüren. Extrem produktiv, in seiner Themenwahl und der filmischen Umsetzung er-hellend, unterhaltsam, polarisierend, ist der Querdenker eine Bereicherung nicht nur für diese, unsere Stadt, die immer wieder Mal droht, weit unter dem Tellerrand in der eigenen Suppe zu ertrinken.

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