DOK.composition Award

Wenige Förderprojekte stellen bisher die Zusammenarbeit von Filmemacher.innen und Komponist.innen in den Fokus.

Um diese einzigartige künstlerische Allianz zu stärken und die Entwicklung zeitgenössischer Kompositionen zu fördern, vergibt der DOK.forum Marktplatz einen mit 2.500 Euro dotierten Förderpreis für Dokumentarfilm und Komposition. Preisstifter ist Sonoton Music.

Die Fördermittel werden an eine.n Musiker.in aus dem deutschsprachigen Raum für die Entwicklung des Scores zu einem in Entstehung befindlichen Dokumentarfilm vergeben. Ziel ist es, die Ausgestaltung der Komposition und die Einspielung der Musik für dieses Projekt zu fördern.

 

Preisträger.innen 2022: I DON'T WANT TO BE JUST A MEMORY von Bráulio Bandeira und Kei Watanabe (Komposition), Sarnt Utamachote (Regie), Klaus Salminen (Production)

Das letzte Bild eines geliebten Menschen: I DON'T WANT TO BE JUST A MEMORY

Der DOK.composition Award 2022 geht an Bráulio Bandeira und Kei Watanabe für ihr musikalisches Konzept zum Filmprojekt I DON'T WANT TO BE JUST A MEMORY von Sarnt Utamachote.

Die Mitglieder der Berliner Queer-Club-Kultur-Community trauern gemeinsam im Jahr 2022 um den plötzlichen Verlust ihrer Freunde im Jahr 2019/20 (und um den Verlust der städtischen Schutzräume im Allgemeinen), indem sie einige persönliche Videoclips, Musik, Briefe und Erinnerungen austauschen. Als Treffpunkt zwischen neuen und alten Generationen stellen sie gemeinsam fest, dass es keine Beweise für ihre Existenz gibt und es nur darauf ankommt, sich bewusst an die lebendige Präsenz der anderen zu erinnern und sie zu schätzen.

In zwei Tracks arbeiten die beiden Komponist.innen Bráulio Bandeira und Kei Watanabe Seite an Seite und gehen dabei der gemeinsamen Frage nach, wie man einen klanglichen Schutzraum schaffen kann. Mit der Live-Aufnahme von sich bewegenden queeren Körpern (Atmen, Berühren, Flüstern), Instrumenten, die normalerweise mit dem Prozess des Loslassens assoziiert werden (mit srilankischer/japanischer und afro-europäischer Abstammung), und elektronischer Musikproduktion wird Deepneues polymetrischer Track einen klanglichen „Club" mit dekonstruierten Rhythmen von queerer Clubmusik und Tänzern schaffen.

 

Jurybegründung

„Wir honorieren mit dem DOK.composition Award die Risikobereitschaft, das reflexive Vorgehen an der Grenze des Experimentellen und die Innovationskräfte, die solche Schaffensprozesse hervorbringen können", so die Jury in ihrer Begründung. „Die mutige Performance bei den Pitches war sinnlich und poetisch und machte Lust auf mehr."

Die nominierten Projekte 2022

 

Jury

Antje Drinnenberg, Filmemacherin und Produzentin
Franziska Reck, Filmproduzentin
Christoph Schauer, Filmkomponist und Musiker
Peter W. Schmitt, Filmkomponist und Musiker
Gerd Baumann, Filmkomponist, Musiker, Leiter des Studiengangs „Komposition für Film und Medien“ an der Hochschule für Musik und Theater München

 

Der Preisstifter: Sonoton Music

Sonoton Music steht seit mehr als 50 Jahren für Produktionsmusik der Spitzenklasse – sowohl technisch als auch musikalisch. Mit über 50 internationalen Vertretungen ist Sonoton der weltweit größte unabhängige Anbieter professioneller Produktionsmusik.

 

Preisträger.innen 2021: MAY IT BE A GIRL von Akmaral Zykayeva (Komposition), Katerina Suvorova (Regie) und Viktoriya Kalashnikova (Produktion)

Jurybegründung

MAY IT BE A GIRL beschäftigt sich mit einem weit verbreiteten Phänomen in Kasachstan. Der Porträtfilm erforscht die Selbstwahrnehmung moderner zentralasiatischer Frauen, die von ihren Eltern männliche Namen erhalten haben, weil sie sich als Kind einen Jungen und kein Mädchen wünschten: Ein solcher Name ist zum Beispiel Ulbolsyn – Shall it be a boy. Die Protagonistinnen reflektieren die Bedeutung und Konsequenzen ihres Namens und stellen damit Fragen nach der Bedeutung und dem Platz der Frau in Familie und Gesellschaft. [...] Die Musikerin und Komponistin Akmaral Zykayeva alias Mergen wird in enger Zusammenarbeit mit der Regisseurin Katerina Suvorova und der Produzentin Viktoriya Kalashnikova einen Auteur-Soundtrack schaffen. [...]"

Zur Projektauswahl 2021


Jury 2021

Gerd Baumann (Komponist und Musiker)
Cristofer Frank (Produzent, Komponist, Sound-Engineer)
Sabine Gisiger (Dokumentarfilmerin und Professorin für Dokumentarfilm ZHDK)
Alexander Kukelka (Komponist, Dozent mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)
Michaela Melián (Künstlerin und Musikerin, Professorin für Zeitbezogene Medien HFBK, Hamburg)


Preisträger.innen 2020: AWALATJE – DIE HEBAMMEN von Anna-Marlene Bicking, Sarah Noa Bozenhardt und Sonja Kilbertus


Die traditionelle Hebamme ENDAL, die medizinisch ausgebildete Hebamme WELÄLA und die schwangere HULU beschäftigen sich mit ihrer Weiblichkeit. Als sich die Geburt von Hulus Kind nähert, begegnet sie dem traditionellen und dem modernen System der Geburtshilfe. Der Hebammenberuf stellt die Strukturen im Dorf auf den Kopf. Frauen haben das Sagen und teilen ihre Standpunkte unverblümt.


Aus der Jurybegründung

"Zwischen Regisseurin Sarah Noa Bozenhardt und Komponistin Anna-Marlene Bicking nehmen wir eine intensive und gewachsene Zusammenarbeit wahr, die ästhetische und produktionstechnische Abläufe eng ineinander führt. Das junge Team nähert sich mit dem Filmprojekt AWALATJE – DIE HEBAMMEN drei Frauen in Äthiopien, die sich im Spannungsfeld zwischen traditioneller und moderner Geburtshilfe bewegen. In diesem Mikrokosmos wird die Musik zum tragenden Strukturelement durch die raffinierte Überführung von gegenwärtigen elektronischen Sounds, Naturgeräuschen und auf traditionellen Instrumenten  – wie etwa der Kalimba – erzeugten Klängen. Regiekonzept, Erzähldramaturgie und Komposition sind unmittelbar verzahnt, akribische Klangrecherche seitens der Komponistin trifft auf zielführende Kraft und Enthusiasmus, die nicht zuletzt motiviert sind durch ein autobiographisches Moment der Regisseurin, die ab ihrem 12. Lebensjahr in Äthiopien aufgewachsen ist."

 

Jury 2020

Jana Irmert (Komponistin, Sounddesignerin)
Dr. Meret Forster (BR-KLASSIK-Redaktionsleiterin und künstlerische Leiterin ARD-Musikwettbewerb)
Brigitte Hofer (Produzentin, Geschäftsführerin maximage)
Alexander Kukelka (Komponist)
Prof. Dr. Klaus Schaefer (Rechtsanwalt, ehemaliger Geschäftsführer des FFF Bayern)