Die PreisträgerInnen des Dokumentarfilmpreises für junge Menschen 2017

Maya Reichert (Leiterin DOK.education), Isabell Zacharias (SPD), Ingund Schwarz und Barbara Hordych (Jurorinnen), Vorne: Theresa Setzer (2.Platz) und Maya Duftschmid (1. Platz), hinten: Moritz Spender (Juror), Julian Monatzeder (Juror) sowie die Gruppen der Staufner G'schichten und der Filmgruppe des Röntgen-Gymnasiums in Würzburg 

Unter dem Motto DAS ANDERE SEHEN hat DOK.education im Jahr 2017 bereits zum dritten Mal einen bayernweiten Wettbewerb für junge FilmemacherInnen zwischen 14 und 24 Jahren ausgeschrieben. Bei der feierlichen Preisverleihung im bayerischen Landtag wurden fünf herausragende Dokumentarfilme prämiert. Wir gratulieren allen PreisträgerInnen! Lesen Sie hier die Jurybegründungen.

1. Preis, gestiftet von der SPD-Landtagsfraktion, dotiert mit 500 Euro

TELL ME MR. LO von Maya Duftschmid 

Dass die Frage nach dem Künstlerdasein und dem eigenen Selbstverständnis nicht mit einfachen Schwarzweiß-Aussagen zu beantworten ist, zeigt uns ein kurzer Dokumentarfilm. Und zwar in eindrucksvollen Schwarzweiß-Bildern. Eine junge Filmstudentin sucht Rat bei einem erfahrenen Künstler, der die alte Varietékunst des Papierreissens zur Perfektion gebracht hat. Sie interagiert und beobachtet – und nimmt uns dabei in fast schon malerischen Bildern mit in die zauberhafte Welt von Lorenzo Torres. Bilder voll Sinnlichkeit untermalen ein Gespräch unter Künstlern, das in seiner klaren direkten Art eindringlich Zugang zu den Gedanken des Betrachters findet. Ein feinfühliges Porträt, mit hohem ästhetischen Anspruch.

2. Preis, gestiftet von der SPD-Landtagsfraktion, dotiert mit 300 Euro

WO LEBEN ANDERS IST von Theresa Setzer 

Der Regisseurin gelingt es im Film WO LEBEN ANDERS IST, den Zuschauer in drei besondere Leben gleichzeitig blicken zu lassen. Sie verknüpft die Geschichten eines jungen Jurtenbewohners, eines Mannes, der in einem Zirkuswagen im Wald lebt und einer im Ökodorf wohnenden Mutter miteinander, ohne mahnend den Zeigefinger zu erheben und ohne das Leben in und mit der Natur übermäßig zu romantisieren. Der Film zeigt - technisch wie inhaltlich überzeugend - mit Leichtigkeit und besonderer Klarheit, wie man anders leben kann, als es die meisten von uns gewohnt sind, und macht dabei sogar selbst ein bisschen Lust darauf, Neues zu wagen und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

3. Preis, gestiftet von der SPD-Landtagsfraktion, dotiert mit 200 Euro

MEIN SHIRT von Mathis Hauter (mit Leon Schreiner, Paul Schober und Eva Böhm) 

Wenn man heute auf seine Kinderbilder blickt, sieht man jemand anderen. Wer war man damals? Und wann wurde man jemand anderes? Eigenwillig, unangepasst und zugleich verständlich und mitnehmend erzählt dieser Film von den Gedanken eines jungen Mannes und seiner Freunde, die nachdenklich werden in Zeiten von Selbstdarstellung im Internet und zunehmender Kommunikation über soziale Medien. „Ich habe mich verändert und weiß nicht wieso. Ich habe da keine Kontrolle darüber. Im Grunde ist es nur einfaches Älterwerden, Erwachsenwerden, aber das habe ich ja noch nie gemacht, deswegen verwirrt es mich.“ Außergewöhnlich, persönlich und passend zur Überschrift des Filmwettbewerbs DAS ANDERE SEHEN.

BLLV-Sonderpreis, gestiftet vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V., dotiert mit 300 Euro

DEUTSCH WIE DÖNER von der Filmgruppe Röntgenfilm, Röntgen-Gymnasium Würzburg

Humorvoll konzipierte Dokumentation über die internationalen Einflüsse auf unsere sogenannte deutsche Leitkultur. Die Filmgruppe des Röntgen Gymnasiums in Würzburg hat ihre umfassende Recherche originell umgesetzt und mit gekonnt eingesetztem Stopptrick, dokumentarischen Aufnahmen und kurzen Spielszenen Unterrichtsinhalte filmisch umgesetzt. So wird Lernen unterhaltsam – für Schulklassen und für den Zuschauer!

Lobende Erwähnung: STAUFNER G'SCHICHTEN, entstanden unter Birgitta Weizenegger

Mitwirkende: Firuze Giavas, Celina Blank, Hakim Heindel, Madeleine Kerber, Lukas Hecker, Eda Hilaloglu, Marian Gegori, Maxine Hauser, Simon Schmitz, Sophie Jahn und Chris Kißler

In Dokumentarfilmen eine echte Geschichte filmisch zu erzählen, ist schon schwierig genug. Doch Reenactment – also der Einsatz von Schauspielern im Dokumentarfilm, noch dazu mit Laiendarstellern – das gelingt wirklich nur sehr selten. Der Zuschauer bekommt zu leicht das Gefühl, dass der Filmemacher dem Dokumentarischen seiner Erzählung nicht vertraut und die Darsteller wirken infolgedessen neben dem Material aus der Realität seltsam künstlich.

In STAUFFNER G‘SCHICHTEN ist es einer jungen Filmgruppe jedoch gelungen, die Jury mit Reenactment-Szenen zu begeistern: Im Zentrum des Filmes stehen drei Menschen, die während oder nach dem Krieg ihre Kindheit und Jugend erlebt haben. Die Protagonisten haben offensichtlich das echte Interesse der Kinder hinter deren Fragen gespürt und gaben detailbesonnen sehr persönliche Erinnerungen preis. Die Interviews wechseln sich – gekonnt montiert – mit faszinierend authentisch gespielten Szenen ab.